Soul-Body-Mind - Sei, wer Du bist

             Schicksalsbewältigung

Hier stelle ich euch mal eine ganz andere Seite von mir vor. Ich denke, es wird höchste Zeit, da ich auch meine Arbeit mehr auf soul-body-mind ausrichten werde und nicht mehr diesen extremen Schwerpunkt auf soul legen werde.;-)

Diesen Text habe ich vor sehr vielen Jahren für eine völlig andere Zielgruppe geschrieben, mir ging es dabei darum Anregungen zur Krankheitsbewältigung zu geben. Mittlerweile hat sich meine körperliche Situation völlig verschlechtert, da ich mich als Mensch nicht wichtig genug genommen habe und mir nicht treu geblieben bin. Ich sitze seit 2007 im Rollstuhl und bin auch sonst motorisch ziemlich eingeschränkt (auch das Schreiben am PC ist für mich sehr Zeitaufwendig). Im Alltag gibt es keine Situation, die ich 'normal' meistern kann, schränkt mich mal meine Krankheit nicht ein, dann meine bisher nicht zu kompensierende Schwerhörigkeit. Was ich in diesem Text geschrieben habe, entspricht immer noch meiner Meinung, da es meine Wahrheit ist. Ich hatte jetzt beim erneuten Lesen nur einen kleinen Aha-Effekt, ich war nicht oberflächlich, weil ich über mich oder andere nicht nachgedacht habe, sondern Beurteilungsfrei, was ich sehr erstrebenswert finde, nicht immer ist eine Rückentwicklung ein Rückschritt.

Leider fällt ein Meister nicht vom Himmel.;-) 

Ataxie, mein Feind oder Freund?

Ich habe offiziell (rückwirkend weiß ich, dass ich schon einige Jahre früher leichte Symptome hatte) seit 1988 eine Friedreichsche Ataxie (Kurzform: FA) und hätte sicherlich während den ersten Jahren gesagt, wie man so eine dämliche Frage stellen kann. Ich habe gleich nach meiner Diagnose, ich war damals 23 Jahre alt, begonnen möglichst viele Informationen über FA zu sammeln und versuchte auch viele Jahre immer auf dem neuesten Stand der Forschung zu bleiben, da ich nach meinen eigenen Worten, meinen Feind kennen musste um ihn besser bekämpfen zu können.

Ich war vor der Ataxie ein äußerst aktiver Mensch, der sich keine Ruhepausen gönnte, auf diese Weise kam ich auch nie dazu über mich oder andere wirklich nachzudenken. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, ich war ein eher oberflächlicher Mensch. Ich kam gar nicht dazu mich zu fragen, ob ich glücklich und zufrieden war, aber es bestand ja auch keine Notwendigkeit, da ich ja alles hatte, was man im Leben angeblich so braucht (Lebenspartner, Freunde, einen guten Job der auch noch Spaß machte, genug Geld, keine wirklichen Sorgen, usw.) Dann fing die Ataxie an, ich lebte die ersten Jahre ziemlich so weiter, mit nicht wirklich Zeit zum Nachdenken. Ich fing auch an in der Selbsthilfegruppe aktiv mitzuarbeiten, das war auch eine gute Möglichkeit gut informiert über meinen 'Feind' zu bleiben. Die Ataxie war ganz eindeutig mein Feind, denn sie fing allmählich an mich einzuschränken. Langsam aber sicher musste ich mir doch mal Ruhepausen gönnen und hatte damit auch Zeit zum Nachdenken und stellte fest, das ich trotz meinem äußeren Rahmen in den letzten Jahren nicht wirklich glücklich und zufrieden war (auch vor der Ataxie nicht), damals war mir klar das die Ataxie es bestimmt nicht leichter macht glücklich zu werden. Die Ataxie war nicht gerade förderlich für mein Selbstwertgefühl, ich reduzierte mich häufig auf das körperliche und hielt jeden Menschen für 'besser', der sich normal bewegen konnte. Zumindest fing ich endlich mal an mich mit mir und meiner Umwelt auseinander zu setzen. Ich fing nach und nach an mich für Dinge zu interessieren, die ich ohne die Ataxie nicht mal zur Kenntnis genommen hätte oder wenn ich sie bemerkt hätte, hätte ich sie belächelt. Die Forschung wurde für mich immer weniger wichtig, ich hatte das Gefühl, das es bei meinem Weg mehr um etwas anderes ging, mein Bewusstsein änderte sich irgendwie. Ich wurde langsam aber sicher zu einem Tiefgründigen Menschen. Irgendwann schon vor einigen Jahren, fragte mich jemand, rein hypothetisch, wenn ich wählen könnte gesund zu sein, aber mein Bewusstseinsgrad von vor der Ataxie hätte oder der Mensch mit dem erweiterten Bewusstsein mit Ataxie zu sein. Als ich merkte wo meine Antwort hin tendiert, wusste ich die Ataxie war längst mein Freund geworden.

In den letzten Jahren setzte ich mich sehr intensiv mit mir selbst auseinander und heute ist mir ganz klar, das die Ataxie immer mein Freund war, ich habe es nur nicht wahrgenommen. Heute sehe ich die Ataxie als Chance, als willkommene Wegkorrektur, da mir die jetzige ‚Nicole’ viel besser gefällt.

Heute weiß ich, das ich glücklich und zufrieden bin, auch wenn mir heute der passende äußere Rahmen fehlt. Aber da das wahre Glück und die echte Zufriedenheit sowieso aus einem selbst kommt, habe ich hierfür ja das notwendige. Die Ataxie hat mir geholfen heraus zu finden wer ich bin.

Ich denke, ob man nun selber eine Krankheit (oder anderes Problem) hat oder ein Nahestehender, es berührt und verändert uns meist. Ich habe vor kurzem gehört, das es die Seele automatisch krank macht. Ich sehe es anders, es lässt sich vieles nicht mehr so einfach verdrängen. und man bekommt wieder mehr Zugang zu seiner Seele.

Mir ist einiges klar geworden, als ich anfing mal alles für mich aufzuschreiben, wie das so war als die Ataxie anfing und ihren Lauf nahm, was habe ich gedacht und gefühlt, wie veränderte sich mein Leben, usw... . Aber alles nach dem Grundsatz, das was war nicht zu bewerten, sondern nur zur Kenntnis zunehmen, das betrifft meinen eigenen Anteil, so wie den von anderen.

So wie die gleiche Ataxie bei verschiedenen Menschen nie gleich ist, so viele verschiedene Möglichkeiten gibt es wohl auch, damit umzugehen. Keine ist richtig oder falsch, einfach nur anders. Es ist wichtig, das einem klar wird wie man mit der Ataxie umgeht oder was sie einem vielleicht neues, positives ins Leben gebracht hat, denn was einem bewusst ist und nicht gefällt, kann man ändern, viele Dinge (Verhaltensmuster, Denkmuster und anderes) laufen unbewusst, man kann fast sagen automatisch in einem ab. Dinge, wie z.B. ich fühle mich als Opfer des Lebens, ich benutze die Ataxie gegenüber anderen Menschen, sei es als Manipulation, Rache, damit sie sich schuldig fühlen,usw...

Vielleicht hast Du schon angefangen und Du nimmst den Text als zusätzliche Anregung, vielleicht macht der Text Dir Lust Dich mit der Thematik auseinander zusetzen oder vielleicht spricht der Text Dich auch einfach nicht an.

Mir ist völlig klar das jeder seinen Werdegang mit der Ataxie anders empfindet, aber es ging mir im Prinzip nur darum mit meinem Text zum Nachdenken anzuregen. Da ich nicht schreiben kann, was andere empfinden oder empfinden sollten, kann ich nur über mich schreiben

Nicole Müller

Was ist Ataxie?

Als Ataxie bezeichnet man Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen. Es gibt verschiedene Krankheiten bei denen eine Ataxie als Symptom gilt, so wie verschiedene Ataxieformen bei denen die Ataxie als Grunderkrankung gilt, zu diesen Ataxieformen zählt auch die Friedreichsche Ataxie. Bei diesen Grunderkrankungen sind die Hauptsymptome meistens (in verschieden Ausprägungen) zunehmende Gang-,Stand- und Sprechstörungen, so wie Augenbewegungs- und Schluckstörungen.

nicole.mueller@soul-body-mind.de